Pflanzenmedizin

«...Artischocken sind von allen Sachen Die schlimmsten nicht, die unter zarten Fingern Ihr widerspenstig Naturell verringern – Nimm nur den Stachel mit geschickter Kraft, Das ist der Sinn von aller Wissenschaft.»


Johann Wolfgang von Goethe (1749 - 1932)

 

Zwei typische Bitterstoffplanzen Artischocke (links) und Enzian (rechts) Foto: Markus Bürki, Botanischer Garten, Bern Holzschnitt: Kräuterbuch des Tabernaemontanus, Frankfurt 1625.
Zwei typische Bitterstoffplanzen Artischocke (links) und Enzian (rechts) Foto: Markus Bürki, Botanischer Garten, Bern Holzschnitt: Kräuterbuch des Tabernaemontanus, Frankfurt 1625.

Pflanzen werden seit jeher sowohl als Genuss- wie auch als Heilmittel eingesetzt; sie sind ständige Begleiter der Menschen. Pflanzenheilkunde kann als die älteste Therapieform überhaupt bezeichnet werden.

Als Wiege der abendländischen Pflanzenheilkunde gilt die Antike. Bereits der Übervater aller Ärzte, Hippokrates (450-370 v.Chr.), beschrieb mehrere hundert Arzneipflanzen. Als eigentlicher Begründer der Phytotherapie gilt der griechische Arzt Dioskurides, der in seinem Werk «Materia medica» bereits über 600 verschiedene Arzneipflanzen beschrieb. Nach Galen (131-201 n.Chr.) der die Säftelehre von Hippokrates weiterentwickelt hat, waren es vor allem die Klöster, welche die Pflanzenheilkunde intensiv betrieben. Nach den wichtigen Kräuterbuchautoren des Mittelalters wie Otto Brunfels (1489-1534), Hieronymus Bock (1498-1554) oder Leonard Fuchs (1501-1566) wurde im Zuge der Entdeckungsfahrten neue exotische Pflanzen in den europäischen Arzneischatz eingeführt. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts veränderte eine Entdeckung  die bisherige Pflanzenheilkunde schlagartig. Im Jahr 1804 gelang dem deutschen Apothekergehilfen Friedrich Sertürner (1783-1841) die Isolierung des Hauptwirkstoffs aus dem Schlafmohn: des Morphins. In den folgenden 20 bis 30 Jahren wurde eine Vielzahl sogenannter Alkaloide entdeckt und isoliert. Das bedeutete, man konnte nun gezielt die Wirkstoffe bestimmter Pflanzen gewinnen. Noch heute werden eine Vielzahl dieser pflanzlichen Wirkstoffe auch schulmedizinisch verwendet.

Das 20. Jahrhundert stand ganz im Zeichnen der chemischen Industrie. Heilpflanzen gerieten stark in den Hintergrund. Die Pflanzenheilkunde wurde vorwiegend als Volksheilkunde, nicht aber als eigenständige, anerkannte Therapieform angesehen. Es ist  Pionieren wie Sebastian Kneipp (1821-1897), Kräuterpfarrer Johann Künzle (1857-1945), Gerhard Madaus (1890-1942) oder Alfred Vogel (1902-1996)  zu verdanken, dass  Pflanzen als Arzneimittel nicht vollständig in Vergessenheit gerieten. Gegen Ende des 20. Jahrhunderts fand ein Aufschwung komplementärmedizinischer Methoden, insbesondere auch der Heilpflanzenkunde, statt.

Links:
www.smgp.ch
www.curaplant.ch
www.ceres.ch
 

© 2017